|
Der Tender war zu Schießübungen in den Schießabschnitt
Borkum unterwegs. Wir hatten bei Auslaufen schon schlechte Wettermeldungen, die
vom Funkraum auch umgehend zur Brücke gemeldet wurden. Der Befehl - Fahrt
fortsetzen. Im Schießgebiet angekommen und kein Schleppflugzeug in sicht. Zum
Schießen auf Luftziele wurde von einem Flugzeug ein Luftsack an einer langen
Leine über das Zielgebiet geschleppt. Auf diesen Luftsack wurde geschossen. Das
Wetter war zu schlecht, das Flugzeug konnte mit Luftsack nicht fliegen. Die
Folge, die Schießübung wurde abgebrochen. Die geladenen 100 mm Geschütze konnten
wegen des schlechten Wetters nicht entladen werden, sondern sie wurden "nur"
gesichert. Der neue Marschbefehl - Anlaufen Neustadt. dort sollten
Schiffsicherungslehrgänge besucht werden. Um die Marschzeit nicht ungenutzt zu
lassen, wurde eine Feuerleitübung in der OPZ angesetzt. Inmitten dieser Übung
gab es auf einmal einen lauten Knall, das Schiff erbebte, keiner wußte was das
war. Dann kam die Erleuchtung, das achtere 100 mm Geschütz hatte gefeuert. Da
die Feuerleiter ein KüMo, das hinter uns her fuhr, als Ziel angepeilt hatten,
war natürlich anzunehmen, daß es auch getroffen wurde. Aber wenn der liebe Gott
seine Hände über eine Sache hält, kann nichts geschehen. Auf dem Geschützrohr
ist eine Schutzkappe gegen Wettereinflüsse angebracht. Diese Kappe hat das Rohr
aufplatzen lassen, das es wie ein Blumenkohl aussah. Weiterhin hat das Geschoß
unsere Seeflagge abgeschossen, ist durch diese Umstände wohl ins Trudeln geraten
und ist ca. 100 m vor dem KüMo ins Meer eingeschlagen. Dann kamen die Fragen. War das Geschütz gesichert? Wie
konnte ein gesichertes Geschütz von der OPZ aus abgefeuert werden? Hat ein
Besatzungsmitglied einen bösen Streich gespielt und hat die Sache eingefädelt?
Antworten gab es keine. In Neustadt angekommen wurde der Kommandant von den
Feldjägern erst einmal zum Verhör abgeholt. Danach kam ein Trupp Spezialisten an
Bord, die das Geschütz auf Herz und Nieren geprüft haben. Keine Ergebnisse. |